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Kurzes Zahnmedizinisches Lexikon

 

 
für Patienten
 
Was ist eigentlich eine Allergie?
 

 

 
 

Um diese Frage beantworten zu können, müssen wir uns zuerst mit unserem Immunsystem beschäftigen. Das Immunsystem ist ein wichtiges "Organ" unseres Körpers, ohne das der Mensch nicht lebensfähig ist. Es ist dafür verantwortlich, alles körperfremde, sogenannte Antigene, zu erkennen und so schnell wie möglich aus dem "System Mensch" zu eliminieren. Antigene sind z. B. Bakterien und Viren, die das Leben des Menschen gefährden können. Aber auch harmlose Substanzen, wie Pollen oder Staub, werden eliminiert. Reagiert das Immunsystem hierüber, spricht man von einer Allergie. Das spezifische Immunsystem arbeitet auf zwei Ebenen. Auf der einen Seite haben wir Zellen, sogenannte T-Lymphozyten, die direkt mit dem Antigen reagieren und dieses eliminieren. Hier spricht man von der zellulären Immunantwort. Die T-Lymphozyten heißen übrigens deshalb so, weil sie sich im Thymus zu den T-Lymphozyten entwickeln. Neben der zellulären Immunreaktion gibt es noch einen zweiten, sehr effektiven Schutzmechanismus. Dies sind die Antikörper, auch Immunglobuline (Ig) genannt. Diese Seite des Immunsystems wird auch humoral genannt. Jeder Immunglobulintyp hat seine charakteristischen Aufgaben und Verantwortungsbereiche. Beide Seiten des Immunsystems sind verknüpft und voneinander abhängig.

Was ist eine allergische Reaktion und wie kommt es dazu?

Eine allergische Reaktion ist eine Überreaktion des Immunsystems. Hier gibt es zwei Möglichkeiten. Zum einen kann es sich um eine Überreaktion des T-lymphozytären Systems handeln, man spricht dann von einer allergischen Reaktion von Spättyp, da die Auswirkungen, also die allergischen Symptome, erst nach 12 bis 72 Stunden ihr Maximum erreichen. Zum anderen kann es sich um eine Antikörper-vermittelte Reaktion vom Soforttyp handeln. Hier treten Symptome Sekunden bis Minuten nach Kontakt mit dem Allergen auf. Welchen Einfluß hat die Umwelt? Neueste Untersuchungen deuten darauf hin, daß vor allem die Schadstoffbelastungen der Luft Flimmerhärchen (Zilien) und Schleimhäute der Atmungsorgane schädigen. Der Abtransport von Allergenen durch die Zilien wird verlangsamt, die Allergene verbleiben viel länger auf den Schleimhäuten. Schwefel und Stickstoffdioxide rufen kleinste Verätzungen hervor und bahnen den Allergenen so den Weg in die Tiefe. Die natürliche Schutzfunktion der Schleimhäute wird zerstört. Wo manifestieren sich Allergien? Allergien manifestieren sich vor allem dort, wo verstärkt Mastzellen vorhanden sind, also an den Schleimhäuten von Respirationstrakt. (Schnupfen, Bronchitis, Asthma bronchiale. Augen-Bindehaut-Entzündung (Conjunctivitis), Haut (Juckreiz, Rötung), Verdauungstrakt (Entzündungen und Unverträglichkeitsreaktionen im Magen-Darm-Bereich

Welche Allergien treten auf?

Heuschnupfen - Pollen-Allergien (Pollinosis)
Die auslösenden Allergene sind die Pollen der windbestaubten Blütenpflanzen. Je nach allergischer Veranlagung können die ersten Symptome bereits Anfang Februar mit Beginn der Haselnußblüte auftreten. Bis zum September blüht dann jeweils eine andere Pflanze, so daß es Patienten gibt. Die meisten Heuschnupfen-Patienten reagieren nur auf eine ganz bestimmte begrenzte Anzahl von Pollen. Die typischen Symptome des Heuschnupfens sind entzündete, tränende, juckende Augen (Conjunctivitis), Fließschnupfen, oder auch eine verstopfte Nase, Niesattacken sind ebenfalls charakteristisch. Seltener sind Symptome wie Kopfschmerzen, Müdigkeit, Abgeschlagenheit und Schlafstörungen. Typisch für Pollenallergien ist die saisonale Abhängigkeit der Beschwerden. Es besteht eine Abhängigkeit vom Wetter, da bei Feuchtigkeit die Pollen nicht fliegen. Aus Heuschnupfen kann im Lauf der Zeit ein allergisches Asthma entstehen.
Spezielle Tips:
- halten Sie sich möglichst wenig im Freien auf
- beachten Sie die Pollenflugvorhersage
- setzen Sie im Freien eine (Sonnen) Brille auf
- halten Sie Lüftungen im Auto geschlossen (oder Filter einbauen)
- waschen Sie abends die Haare, da sich dort bevorzugt Pollen verfangen.

Hausstauballergie
Das Allergen ist nicht, wie man eigentlich erwarten sollte, der Hausstaub selbst, sondern die Ausscheidungen einer kleinen 0,2-0,4 mm großen Milbe. Ihre Ausscheidungen sind sehr starke Allergene, auf die der Hausstaub-Allergiker dann mit Schnupfennase, entzündeten Augen, oder mit schweren Atembeschwerden im Sinne eines Asthma bronchiale reagiert. Typisch für die Hausstaub-Allergie ist das Nachlassen der Symptome im Freien.
Spezielle Tips:
- Verringern Sie die Menge an Staub durch häufiges Staubentfernen.
- Führen Sie diese Arbeiten möglichst nicht selber durch.
- Halten Sie Ihre Räume kühl und trocken. Milben bevorzugen Temperaturen zwischen 220 und 28 °C und eine Luftfeuchtigkeit zwischen 60% und 80%. Zu starke Isolierung erhöht über Kondenswasserbildung die Luftfeuchtigkeit.
- Wählen Sie glatte Bodenbeläge. Teppiche und Teppichböden aus Naturfasern bieten den Milben ideale Unterschlupfmöglichkeiten.
- Verzichten Sie auf Federbetten. Aufgrund des natürlichen Milbenbefalls der Federn bringen diese fast immer Milben mit ins Haus.
- Bevorzugen Sie bis 60°C waschbare Chemiefasern und waschen Sie die Materialien öfter.

Schimmelpilzallergien
Auslösend wirken hier die Pilzsporen, die Vermehrungs- und Dauerformen der Schimmelpilze. Die Pilzsporen sind sehr klein und glatt und können deshalb tief in die Luftwege eindringen. Den Pilzsporen zu entgehen, ist beinahe unmöglich, da sie den Hauptanteil an biologischen Partikel in Erde und Luft bilden. Auch für die Herstellung von Lebensmitteln, z. B. Käse, werden Schimmelpilze eingesetzt. Typisch für eine Schimmelpilzallergie sind starke Beschwerden der Augen, Nase und Bronchien direkt nach feuchtwarmem Wetter, in feuchten, holzverschalten Räumen und in Wäldern, Parks, Ställen und Kellern.
Spezielle Tips:
- Vermeiden Sie Gartenarbeit.
- Senken Sie die Luftfeuchtigkeit in der Wohnung soweit wie möglich
- (zu gute Isolierungen erhöhen ebenfalls die Luftfeuchtigkeit).
- Trennen Sie sich von Topfpflanzen Ø Achten Sie auf feuchte Wände (besonders Außenwände),
- Stockflecken weisen auf Pilzbefall hin. Ø Verzichten Sie auf Lebensmittel, zu deren Herstellung
- Schimmelpilze eingesetzt werden.

Tierallergien
Viele Allergiker reagieren auf Tierhaare, aber auch Hautschuppen, Speichel und Urin von Tieren können allergen wirken. Sehr reaktiv sind die Allergene der Kleinnager (Maus, Hamster, Ratte), Katzen, Tauben und Pferde. Vor allem Pferdeallergene (hauptsächlich Hautschuppen) sind sehr potent, d.h., schon in geringen Mengen hochwirksam. Hier kann der Kontakt mit Reitkleidung ausreichen, um allergische Reaktionen hervorzurufen. Auch hier treten wieder typische Reaktionen der Augen und Atemwege auf
Spezielle Tips:
- Verzichten Sie auf Tiere, wenn in Ihrer Familie bereits Allergien bekannt sind. Bei Unsicherheit vorher die Reaktion auf Tiere testen. Aber Achtung: Allergien können sich auch später ausbilden.
- Vermeiden Sie den Kontakt mit tierischen Produkten.

Insektenstichallergien
Die Reaktion erfolgt auf die von Insekten nach dem Stich injizierten Substanzen. Vor allem Bienen und Wespen, aber auch andere Insekten, können derartige Allergien hervorrufen. Typische Symptome sind Hautreaktionen, besonders gefürchtet sind jedoch schwere Allgemeinreaktionen, wie Kreislaufbeschwerden bis hin zum Schock und Schwellungen im Bereich des Kehlkopfes, die die Atmung stark beeinträchtigen.
Spezielle Tips:
- Meiden Sie Stellen, an denen sich Insekten aufhalten.
- Wählen Sie entsprechend dezente Kleidung, starke Farben locken Insekten an.
- Laufen Sie nicht barfuß. Ø Essen und trinken Sie nicht im Freien.
- Halten Sie ein Notfallset bereit (fragen Sie Ihren Arzt danach).
- Informieren Sie Ihre Freunde und Bekannte über Ihre Allergie.

Nahrungsmittelallergien
Die allergische Reaktion auf Inhaltsstoffe oder Abbauprodukte unserer Nahrung wird häufig als Problem unserer Zeit dargestellt. Ein Teil der auftretenden Allergien ist auf Rückstände (z. B. Pestizide) oder Nahrungsmittelzusätze (z. B. Konservierungsstoffe) zurückzuführen, der überwiegende Teil wird jedoch durch die Lebensmittel selbst hervorgerufen. Die Symptome einer Nahrungsmittelallergie sind sehr vielfältig, z. T. treten Beschwerden im Bereich der Nase/Atemwege und Augen au{ aber auch Hautreaktionen, Durchfälle, Erbrechen, Übelkeit, Koliken, Entzündungen im Magen-Darm-Bereich, Migräne oder Schockreaktionen sind möglich.
Spezielle Tips:
- Im Falle einer Nahrungsmittelallergie sollte das entsprechende Lebensmittel gemieden werden (Allergenkarenz).
Wichtige Nahrungsmittelallergene - tierischen Ursprungs: Fisch, Schalentiere, Hühnerei (klar/gelb), Geflügel, Fleisch, Innereien, Milch, Käse - pflanzlichen Ursprungs: Nüsse/Samen: Haselnüsse, Walnüsse, Mandeln, Paranüsse, Erdnüsse, Sesam, Mohn - Obst: v. a. Stein- und Kernobst, Zitrusfrüchte, Beerenfrüchte, Bananen, Erdbeeren - Gemüse: Sellerie, Fenchel, Karotten, Hülsenfrüchte, Paprika, Tomaten - Gewürze und Kräuter: Anis, Kamille, Fenchelsamen, Sellerie, Dill, Koriander, Kümmel, Schnittlauch, Pfeffer, Kurkuma, Thymian u.a.

Allergische Hauterkrankungen
Hier unterscheidet man aufgrund der äußeren Erscheinung die Nesselsucht (Urticaria) von den allergischen Ekzemen unterschiedlicher Ursache. Die Urticaria zeichnet sich durch stark juckende Quaddeln an der Haut aus. Sie ist meist eine allergische Reaktion auf Medikamente oder Nahrungsmittel bzw. Zusätze zu Nahrungsmitteln. Bei den allergischen Ekzemen unterscheidet man zwischen allergischem Kontaktekzem und endogenem Ekzem. Das allergische Kontaktekzem entsteht aufgrund eines direkten Hautkontakts mit dem Allergen. Das Ekzem bleibt jedoch nicht auf die Kontaktstelle beschränkt, sondern breitet sich weiter aus. Typisch für das Kontaktekzem ist das Auftreten von Bläschen, die aufbrechen, nässen und Krusten bilden und der sehr starke Juckreiz. Entsteht ein Ekzem ohne erkennbare Ursache von außen, spricht man von einem endogenen Ekzem. Es tritt meistens schon in der frühen Kindheit auf. Typisch sind im akuten Fall juckende kleine Knötchen, die nässen und Krusten bilden. Im chronischen Fall ist die Haut trocken, lederartig verdickt, rissig, schuppend und juckt ebenfalls stark. Ein typisches endogenes Ekzem ist die Neurodermitis. Hautsymptome sind Rötungen, starker Juckreiz, Vergröberung der Haut, nässende krustige Herde.
Spezielle Tips:
- Beobachten Sie, ob nach Genuß bestimmter Nahrungsmittel eine Verschlimmerung der Erkrankung auftritt. Wenn ja, meiden Sie die entsprechenden Substanzen.
- Verzehren Sie verstärkt Sauermilchprodukte mit lebenden Milchsäurebakterien,(z.B.Yoghurt) zur Herstellung der natürlichen Darmflora.
- In schweren Fällen ist eine antimykotische Therapie notwendig.
- Meiden Sie psychisch belastende Situationen.
- Pflegen Sie Ihre Haut immer mit Salben und Öl.
- Tragen Sie lockere, luftige Kleidung.
- Zahnmedizinische Materialien können die Schleimhäute allergisieren.

Allergisches Asthma
Bei dieser speziellen Form der allergischen Reaktion leidet der Betroffene unter Atemnot und Beklemmungsgefühlen. Besonders problematisch ist das allergische Asthma deshalb, weil es unter Umständen zu lebensbedrohlichen Zuständen kommen kann. Ursache sind die unterschiedlichsten Inhalationsallergene wie Tierhaare oder Pollen.
Spezielle Tips:
- Meiden Sie, soweit möglich, alle Allergene.
- Sanieren Sie Ihre Wohnung (Teppichböden, Federbetten etc.)
- Trinken Sie mindestens 2-3 Liter Flüssigkeit pro Tag.
- Machen Sie Atemgymnastik.
- Verbringen Sie Ihren Urlaub an der See oder im Hochgebirge (Klimatherapie).

Sonnenallergie
Eine Sonnenallergie hat nichts mit einem Sonnenbrand zu tun. Dieser ist auf die bestrahlte Fläche beschränkt. Sonnenallergische Patienten reagieren jedoch auf Sonnenbestrahlung mit einem Ausschlag, der sich über den ganzen Körper verteilen kann.
Spezielle Tips:
- Meiden der photosensibilisierenden Substanzen.
- verwenden Sie vorsichtshalber Kosmetika und Sonnenschutzprodukte ohne Konservierungsstoffe.
- Gewöhnen Sie die Haut ganz langsam an die Sonne.

Allergiebehandlungen
Bei der Alliergiebehandlung unterscheidet man zwischen der kurzfristigen symptomatischen Therapie und der langfristigen kausalen Therapie. Im Rahmen der symptomatischen Therapie werden die allergischen Reaktionen medikamentös unterdrückt. Was eingesetzt wird, hängt vor allem von den allergischen Symptomen ab. Sinnvoll ist es aber vor allem, die Allergie kausal, also ursächlich, zu therapieren. Bei der Hyposensibilisierung wird versucht, den Körper an das vermutete Antigen zu gewöhnen und damit die Reaktion darauf herabzusetzen oder zu beseitigen. Dies setzt voraus, daß die allergieauslösende Substanz bekannt ist. Bei Insektengift-Allergien wird diese Methode mit großem Erfolg eingesetzt. Bei Polyallergikern dagegen ist die Erfolgsrate eher gering. Hier gilt die Gegensensibilisierung nach Theurer als eine erfolgreiche Methode. Der große Vorteil dieser modifizierten Eigenblutbehandlung ist, daß die Allergene nicht bekannt sein müssen, es ist also auch vorher keine aufwendige Allergieaustestung notwendig. Mittlerweile gibt es eine ganze Reihe von äußerst effektiven symptomatischen und kausalen Therapieansätzen zur Behandlung der verschiedenen Allergien. Fragen Sie Ihren Therapeuten nach einem sinnvollen Therapiekonzept.

 

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